Schmerztherapie bei suchtabhängigen PatientInnen

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Opioide sind die derzeit besten Schmerzmittel, wenn es um chronische Schmerzen geht, die nicht anders behandelt werden können. Alternative Methoden zur Schmerzbehandlung sind physikalische Therapien, spannungslösende, ganzheitliche Bewegungsübungen, welche die Über-spannungen des Bindegewebes beeinflussen, wie Manuelle Medizin, Feldenkrais etc.

Morphine sind schmerzstillend, da sie die Übertragung der Schmerzen in den Synapsen unterdrücken. Ebenso sind sie euphorisierend da sie den Dopamin Haushalt (Belohnungssystem) beeinflussen. Schmerzminderung ohne Euphorisieren ist derzeit nicht möglich. Das eine bedingt das andere. Die Toleranz der Schmerzminderung bleibt gleich. Morphine nützen sich in der Schmerzstillung nicht ab. Die sedierende Wirkung ist aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit nicht mehr zu spüren. Morphine werden dadurch in der Schmerzbehandlung zeitlich sehr korrekt verabreicht sodass sich ein Spiegel im Blutkreislauf hält.

Zu den Nebenwirkungen ist zu sagen, dass durch die beruhigende Wirkung die Darmtätigkeit herabgesetzt wird und alle Opioide zu Verstopfung neigen, welche mitbehandelt werden muss. Eine körperliche Abhängigkeit ist bei den Opioiden gegeben, diese fällt aber erst beim Entzug auf und wenn die Opioide langsam ausgeschlichen werden ist dies problemlos. Die Suchterkrankung durch Opioide ist statistisch bei 0.5% bis 3,5% als sehr gering eingestuft. Die Suchterkrankung wird vor allem durch Einnahmespitzen angeregt.

In der Substitution wird mehr Augenmerk auf die seelischen Leiden der PatientInnen gelegt als in der klassischen Schmerztherapie. Dies ist demzufolge ein anderer Ansatzpunkt der Behandlung mit Opioiden. Das Ziel der Behandlung ist Vorrangig das Vermeiden von Entzugsschmerzen und das Erreichen einer emotionalen Ausgeglichenheit. Psychische Probleme verlangen, da diese auch als Schmerz wahrgenommen werden nach einer spontanen Steigerung der Dosis. (Liebeskummer schmerzt ja auch).Dadurch wird aber die Suchtabhängigkeit angeregt weil Einnahmenspitzen nach gefühltem Bedarf der PatientInnen dosiert werden.

PatientInnen in der Substitutionstherapie mit Opioiden verlieren aber auch, und das erachte ich als tragische Nebenwirkung durch die euphorisierende Wirkung der Opioide empathische Fähigkeiten. Nach Untersuchungen reagiert das Gehirn nicht mehr auf das sogenannte „Kindchen Schema“ mit Mitgefühl. Der Meinungsaustausch und die Kritikfähigkeit sind beeinträchtigt.

Eine Schmerztherapie bei suchtabhängigen PatientInnen stellt eine Herausforderung an alle beteiligten: Die pharmakologische Hilfe, die gesetzlichen Richtlinien der Substitution, die Zusammenarbeit zwischen PatientIn, Ärzte, Behörde und psychosozialer Betreuung. Die Bestmögliche Betreuung kann nicht alle Aspekte der Not der PatientInnen lindern.

Literatur:
Hirnforschung: Drogen verändern unsere Reaktion auf süße Babys
www.spektrum.de/news/drogen…unsere-reaktion-auf-suesse-babys/1423920

Amrei Wittwer, Gerd Folkers: Schmerz
Innenansichten eines Patienten und was die Wissenschaft dazu sagt
diese Ausgabe: Hirzel-Verlag, Kartoniert, ca. 216 S., 2016
https://radiergummi.wordpress.com/2016/07/24/amrei-wittwer-gerd-folkers-schmerz/