Benzodiazepine

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In Österreich sind ca. 100 000 Personen medikamentenabhängig. Das Verhältnis von Männer zu Frauen ist ca. 1:4. Benzodiazepine werden als Schlaf-, Beruhigungs- und Entspannungsmittel  verschrieben. Benzodiazepine lindern auch die Gefühle der Einsamkeit, da sie dem Wirkungskreislauf der Opiate sehr nahe stehen.

Substitutionspatienten, welche keine retardierten Morphinen (Compensan, Substitol etc.) erhalten, sondern Methadon (Buprenophin, Polamidon etc.) und deren Abhängigkeitsproblematik mit fehlenden sozialen Kontakten einhergeht, in ihrem Umfeld sich einsam fühlen, „vergessen“ mit Benzodiazepinen ihre Einsamkeit. Circa 3 % von Opiatabhängigen bekommen zur Substitution  auch Benzodiazepine (E. Grond Seite 45ff).

Jedes wahrgenommene Empfinden, ob Gedanken, Gefühle, Stimmungen, Ahnungen etc.  werden nur dadurch bewusst, indem diese z. B. in Impulse, Botenstoffe, Hormone übersetzt werden. Jede Empfindung wird materealisiert. Wenn wir unser Gedächtnis nicht als Festplatte interpretieren, sondern als Rekonstruktionssystem, welches Vergangenes in die Gegenwart neu konstruiert (Henri Bergson, Materie und Gedächtnis, 1919) wird nachvollziehbar, dass unsere Vergangenheit nicht statisch sondern plastisch ist. Unsere Vergangenheit wird, aus dieser Sicht,  in Bezug zur Gegenwart immer wieder neu konstruiert. Abhängigkeitskranke erleben mit der Zeit nur noch ihre gegenwärtige Sucht.

„Benzodiazepine, besonders bei chronischer Einnahme, so  Forscher um Christian Lüscher von der Université de Genève sind nun genauer analysiert: Benzodiazepine stoppen die Hemmung bestimmter Dopaminnerven, die daraufhin das Belohnungssystem über Gebühr stimulieren und einen Sucht erzeugenden Teufelskreis einleiten.[…] Das Belohnungszentrum wird dann durch die ungehemmten dopaminergen Neurone stärker gereizt als zuvor.

Diese Anregung  des Belohnungszentrums wird durch Benzodiazepine ausgelöst, auch wenn die Opiatrezeptoren durch die Substitution blockiert sind.

Literatur:

http://www.spektrum.de/news/suchtpotenzial-von-valium-und-co-erklaert/1021725

http://gutenberg.spiegel.de/buch/materie-und-gedachtnis-7631/2

http://www.forumgesundheit.at/portal27/portal/forumgesundheitportal/content/contentWindow?action=2&viewmode=content&contentid=10007.688975

E. Grond, Kompendium der Alters- Psychiatrie und Alters-Neurologie für Altenpfleger/innen, Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH &Co.KG, Hannover 2006. Seite 45ff