Anstieg von Spielsüchtigen durch Sportwetten befürchtet

print

Feldkirch. Die Fußballweltmeisterschaft ist eröffnet. Während sich viele bereits auf das sportliche Highlight freuen, ist man in den Beratungsstellen Clean der Stiftung Maria Ebene besorgt: Kurz nach sportlichen Großereignissen rutschen vermehrt Menschen in die Spielsucht durch Sportwetten ab. Christine Köhlmeier, Leiterin der Suchtberatungsstelle Clean in Feldkirch, sieht auch den Gesetzgeber in der Präventions-Pflicht.

Nach sportlichen Großereignissen, wie der laufenden Fußballweltmeisterschaft, vermerken die Beratungsstellen Clean einen Anstieg der Personen, die durch Sportwetten in finanzielle, familiäre und persönliche Probleme geraten sind. „Die Wettsucht ist ein ernstzunehmendes Problem“, so Christine Köhlmeier, Stellenleiterin des Clean Feldkirch. Und sie ergänzt: „Wir stellen weiter fest, dass das Wetten – insbesondere Sportwetten – von vielen Menschen nicht als Glücksspiel gesehen wird.“ Dadurch, dass man sich in den jeweiligen Sportarten kundig machen kann, sind einige Menschen der Meinung, Wetten hätte etwas mit „Können“ zu tun. Dabei kommt jene Gruppe von Menschen, die beim Wetten in die Suchtspirale geraten, in den gleichen Negativ-Kreislauf, wie andere Glücksspielsüchtige: Sie wetten öfter, um mehr Geld, wollen durch mehr Einsatz Verluste wieder wettmachen, lügen und vernachlässigen Familie, Freunde und Arbeit. Der Ausstieg aus der Sucht fällt dann ebenso schwer, wie bei anderen Glücksspielen. Das Problem lässt sich auch in Zahlen belegen: In den letzten zehn Jahren verfielen von 298 Spielsuchtpatienten in den Clean-Beratungsstellen Bregenz, Feldkirch und Bludenz elf Personen ihrem Suchtproblem alleine durch Wetten, bei weiteren 54 Personen entstand das Problem in Kombination mit dem Automaten-Spiel und bei nochmals 23 Personen in Kombination mit dem Internet. Fast jeder dritte Spielsüchtige an den Beratungsstellen nahm im Rahmen seiner Spielsucht an Sportwetten teil. Zu beobachten ist auch eine Zunahme der Anzahl von Wettlokalen in vielen Städten in Österreich.

Vorbeugende Tipps
Die Beratungsstellen Clean empfehlen unterschiedliche Maßnahmen, um die Wettsucht in den Griff zu bekommen oder dem Problem vorzubeugen. „Beispielsweise sollten Fußball- und Wettfreunde im Vorfeld festlegen, um wie viel Geld sie maximal wetten wollen. In ähnlicher Weise ist es hilfreich, die zeitliche Obergrenze für das Wetten oder den Aufenthalt in Wettbüros zu definieren. Mit einer Vertrauensperson kann dann vereinbart werden, dass diese einen auf die selbst festgelegten Limits auch hinweist. Und: Während eines Großereignisses wie der Fußballweltmeisterschaft sollte man unbedingt auch andere Dinge tun, wie etwa selber Sport betreiben, etwas mit der Familie unternehmen oder mit Freunden gemeinsam grillen“, gibt Köhlmeier einige Tipps aus ihrer Erfahrung in der Suchtberatung. Hilfestellung bieten hier die Cleans in Bludenz, Feldkirch und Bregenz durch psychosoziale Beratung und Betreuung von Betroffenen und Angehörigen bzw. Bezugspersonen sowie der Behandlung von Menschen mit Drogen- und Suchtproblemen.

Gesetzliche Sonderregelung muss fallen
Nicht nur in der subjektiven Wahrnehmung fehlt oft der Zusammenhang zum Glückspiel, auch rechtlich ist das Wetten noch immer nach einem eigenen Wettgesetz geregelt – und nicht etwa durch das Glücksspielgesetz. „Aus Sicht der Suchtberatung ist nicht zu verstehen, dass Wetten und Glückspiel gesondert behandelt werden. Gerade auch bei der Werbung sollten Wetten und Glückspiel rechtlich gleichgesetzt sein, zumal viele Wettanbieter im Internet auch reine Glücksspiele anbieten“, regt Michael Willis, Primar der Stiftung Maria Ebene, gesetzliche Änderungen an. Die Praxis zeige, dass es für viele der Klienten sehr schwer sei, ein sportliches Ereignis anzuschauen, weil dabei immer zum Wetten animiert werde. Gerade in den letzten Jahren sei es zu einer massiven Zunahme der Werbeeinschaltungen für Sportwetten vor Fußballspielen gekommen. Die Werbung spielt für den Einstieg in die Sucht eine wichtige Rolle, denn: „Bei anderen Suchtmitteln ist das Verbot von Werbung bereits selbstverständlich. Oder: Wer kann sich heute noch vorstellen, dass es vor einem Fußballspiel eine Zigaretten-Werbung gibt?“, so Willis abschließend.

Stiftung Maria Ebene – Kompetenzzentrum in Suchtfragen
Die Stiftung Maria Ebene mit Sitz in Frastanz ist das Vorarlberger Kompetenzzentrum mit überregionaler Bedeutung in allen Suchtfragen. Als Fachkrankenhaus mit vor- und nachgelagerten Aufgaben ist die Stiftung Trägerin des Krankenhauses Maria Ebene, der Therapiestationen Carina und Lukasfeld, der Beratungsstellen Clean in Feldkirch, Bregenz und Bludenz sowie der Präventionseinrichtung SUPRO – Werkstatt für Suchtprophylaxe in Götzis.

Weitere Informationen:
Beratungsstelle Clean Feldkirch
Christine Köhlmeier, Leiterin
Schießstätte 12 – Top 8, 6800 Feldkirch
T 05522/38072 – 0
M clean.feldkirch@mariaebene.at
W www.mariaebene.at